Es gibt ein mittlerweile recht altes Lied von Thomas D., recht simpel vom Inhalt her und zu häufig als sinnlos abgetan. Ich hör’s aber immer wieder gerne und ich mag es. Es spielt gerade in meinem Player. Es heißt “Friseur”.
[...] Und früher, als ich noch in meinem Frisörsalon saß hab' ich mir oft erhofft, ein Star zu sein denn ich vergaß um wahr zu sein bedarf es keiner wilden Menge und keiner Groupies im Gedränge [...] Ich schwör', ich wär' so gerne wieder Friseur...
Ich weiß, warum. Weil sie den Menschen gut tun. Ich ging heute mehr oder weniger aus Pflichtgefühl hin — muss morgen Passfotos machen lassen und der Friseurbesuch ist auch mittlerweile längst überfällig. Anstatt eines jungen attraktiven Mädchens habe ich einen schwul aussehenden, aber wohl nicht schwulen Friseur bekommen — der Typ ist bestimmt junger als ich. Eine lockere Unterhaltung, Haarwäsche und -schnitt später kam ich mit Probepackungen für Haarspülung raus, ging bei der Müller-Drogerie 20m weiter rein, holte mir das empfohlene Pflegeshampoo, ging wieder raus und…
…und bemerkte, dass ich lächele. Dass ich wenigstens für heute Abend gut drauf bin. Zu ersten Mal seit… Tagen? Wochen? Ich weiß es nicht. Ich hatte mich bisher sehr selten glücklich in Erlangen gefühlt — es keimte gerade das Glücksgefühl in mir auf, als alles passierte. Und vor ein Paar Stunden bin ich irgendwie auf einmal aufgewacht. Ja, ich trage immer noch den Schmerz in mir. Ich wünsche mir, es wäre nichts von all dem Geschehenen passiert. Aber verdammt nochmal, die Sonne scheint, ich habe gute lockere Musik im Ohr (recht freie Interpretationen klassischer Stücke), habe einen Haarschnitt bekommen, ab morgen ist Bergkirchweih in der Stadt, ich kriege mit etwas Glück zwei Besuche von guten Freunden innerhalb der nächsten zehn Tage, was will ich eigentlich noch? Es wird alles gut werden, es liegt jetzt an mir. Ich muss kämpfen, solange ich die Kraft dazu habe — denn so wie ich mich kenne, wird mich das Ganze morgen wieder einholen. Ich will aber den jetzigen Tag etwas ausleben. Und sei es nur, ich räume nur im Zimmer auf.
Ich werde nichts vergessen können, ich werde auch noch etwas Zeit brauchen, bevor ich damit gut leben kann. Ein Teil meiner Seele ich für immer für sie reserviert. Ich kann aber nichts ändern, es nützt nichts, im Elend zu versinken, fast eine Woche ist schon zuviel, auch wenn lange nicht genug, um alles zu verarbeiten. Ich weiß, dass ich mich auf meine Freunde verlassen kann — danke Euch, ihr wisst, wer ihr seid, ihr habt mir nicht das erste Mal geholfen. Ich habe jetzt aus unbekannter Quelle Kraft getankt — vielleicht war’s tatsächlich die Sonne? — aber diese Kraft bleibt jetzt zumindest für ein Paar Tage und ich sorge dafür, dass ich sie gegen neue, noch stärkere, eintausche.
Ich bin mal gespannt, wie ich morgen drauf bin.